Entgelttransparenzgesetz: Was müssen Arbeitnehmer jetzt beachten?

Du sitzt im Bewerbungsgespräch...
Das Gespräch läuft gut, deine Aufgaben klingen spannend und das Team wirkt sympathisch.
Dann kommt die entscheidende Frage nach deiner Gehaltsvorstellung.
Viele Bewerber fühlen sich in diesem Moment unsicher. Nicht unbedingt, weil sie ihren Wert nicht kennen, sondern weil Gehälter in Deutschland oft ein gut gehütetes Geheimnis sind. Man spricht selten offen darüber. Die eigenen Kollegen wissen meist nicht, was andere verdienen.
Bewerber sollen bei Bewerbungsgesprächen eine passende Gehaltsforderung formulieren, ohne wirklich zu wissen, welches Budget das Unternehmen eingeplant hat.
Doch genau diese Situation könnte sich in den kommenden Jahren verändern.
Mit der neuen EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz soll der Arbeitsmarkt transparenter werden, mit mehr Informationen für Arbeitnehmer und faireren Rahmenbedingungen bei Gehaltsverhandlungen.
Doch was bedeutet das konkret für dich als Arbeitnehmer? Und was verändert sich dadurch im Bewerbungsprozess?
Was ist das Entgelttransparenzgesetz?
Das deutsche Entgelttransparenzgesetz gibt es bereits seit 2017. Ziel war es ursprünglich, den sogenannten Gender Pay Gap zu reduzieren und mehr Transparenz bei Gehaltsstrukturen zu schaffen.
Mitarbeitende in Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten haben beispielsweise das Recht zu erfahren, wie hoch das durchschnittliche Gehalt von Kollegen in vergleichbaren Positionen ist, anonymisiert und nach Geschlecht aufgeschlüsselt.
In der Praxis wurde dieses Recht jedoch nur relativ selten genutzt. Viele Arbeitnehmer kannten die Regelung nicht oder empfanden den Prozess als zu kompliziert.
Nun kommt erneut Bewegung in das Thema.
Die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie
Die Europäische Union hat eine neue Richtlinie verabschiedet, die deutlich weiter geht als die bisherigen Regelungen. Ziel ist es, dass Arbeitnehmer leichter nachvollziehen können, wie Gehälter zustande kommen und ob sie fair bezahlt werden.
Bis Juni 2026 muss diese Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Für Unternehmen bedeutet das: Das Thema Gehaltstransparenz wird künftig deutlich stärker reguliert.
Zu den wichtigsten Veränderungen gehören:
1. Mehr Klarheit über Gehälter bereits im Bewerbungsprozess
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft Stellenanzeigen und den Bewerbungsprozess.
Unternehmen sollen künftig verpflichtet sein, Bewerbern bereits frühzeitig Informationen über das Gehalt oder eine Gehaltsspanne zu geben.
Für Arbeitnehmer ist das ein großer Vorteil.
Denn bisher läuft es häufig so:
Bewerber nennen eine Gehaltsvorstellung, ohne das Budget des Unternehmens zu kennen. Unternehmen reagieren darauf, manchmal mit deutlich niedrigeren Angeboten.
Wenn Gehaltsspannen transparenter werden, können Bewerber besser einschätzen, ob eine Stelle überhaupt zu ihren Erwartungen passt.
Das spart Zeit und schafft fairere Verhandlungen.
2. Verbot von Fragen nach dem bisherigen Gehalt
In einigen EU-Ländern soll es künftig nicht mehr erlaubt sein, Bewerber nach ihrem bisherigen Gehalt zu fragen.
Grund hierfür ist, dass im Bewerbungsgespräch häufig nach dem aktuellen Gehalt gefragt wird. Dieses dient dann oft als Grundlage für das nächste Angebot.
Das Problem dabei:
Wer einmal zu niedrig eingestiegen ist, trägt dieses Gehaltsniveau häufig über Jahre weiter.
Die EU möchte deshalb verhindern, dass frühere Gehälter automatisch die Grundlage für neue Angebote bilden. Stattdessen soll stärker der Marktwert der Position im Mittelpunkt stehen.
Für Arbeitnehmer kann das langfristig zu faireren Gehaltsentwicklungen führen.
3. Mehr Transparenz bei Gehaltsstrukturen im Unternehmen
Die Richtlinie sieht außerdem vor, dass Mitarbeitende künftig leichter Informationen darüber erhalten können, wie Gehälter im Unternehmen strukturiert sind.
Wenn deutliche Unterschiede zwischen vergleichbaren Positionen bestehen, müssen Unternehmen diese künftig nachvollziehbar erklären können.
Keine Sorge. Das bedeutet nicht, dass individuelle Gehälter vor deinen Kollegen öffentlich gemacht werden.
Die geplanten Regelungen sehen keine Veröffentlichung individueller Gehälter vor.
Es geht vielmehr um:
- transparente Gehaltsspannen
- nachvollziehbare Gehaltsstrukturen
- bessere Informationsrechte für Arbeitnehmer
Das Ziel ist nicht Kontrolle, sondern Fairness und Orientierung im Arbeitsmarkt.
Für viele Beschäftigte kann das helfen, ihre eigene Karriereentwicklung besser zu planen.
Was Arbeitnehmer jetzt schon tun können
Auch wenn die neuen Regelungen erst umgesetzt werden müssen, können Arbeitnehmer bereits heute aktiv werden.
Wer seinen Marktwert besser verstehen möchte, kann zum Beispiel:
- Gehaltsreports vergleichen
- Gespräche mit Recruitern führen: schreib uns gerne eine Nachricht, wenn du eine Einschätzung zu deinem Marktwert möchtest
- sich über typische Gehälter in der eigenen Branche informieren
- oder aktiv Bewerbungsprozesse führen
Oft reicht schon ein kurzer Marktvergleich, um ein deutlich klareres Bild über das eigene Gehaltsniveau zu bekommen. Durch tausende Gespräche mit IT Expertinnen, IT Experten und Arbeitgebern in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein wissen wir bei Seehoff, welche Gehälter aktuell gezahlt werden.Dein persönlicher Berater unterstützt Dich dabei, Deinen Marktwert richtig einzuschätzen damit Du mit einem klaren und fairen Ziel in die Verhandlung gehst.
👉 Weiterführend: Gehaltsverhandlung im Bewerbungsprozess
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, wie du deine Gehaltsvorstellung konkret formulierst, findest du hier weitere hilfreiche Tipps.
Fazit: Mehr Transparenz kann Arbeitnehmer stärken
Der Arbeitsmarkt verändert sich und das ist gut so.
Während Gehälter früher häufig ein streng gehütetes Geheimnis waren, wächst heute das Bedürfnis nach mehr Offenheit und Fairness.
Die neue EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.
Für Arbeitnehmer bedeutet das vor allem eines:
Mehr Informationen, mehr Orientierung und bessere Voraussetzungen für faire Gehaltsverhandlungen.
Und genau diese Transparenz kann langfristig dazu beitragen, dass Arbeit nicht nur nach Erfahrung, sondern auch nach ihrem tatsächlichen Wert bezahlt wird.
FAQ: Du hast weitere Fragen?
Muss in Stellenanzeigen künftig ein Gehalt stehen?
Die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie sieht vor, dass Bewerber schon früh im Bewerbungsprozess Informationen zum Gehalt oder zu einer Gehaltsspanne erhalten sollen. Das soll für mehr Klarheit sorgen und Bewerbungen auf Stellen mit unrealistischen Gehaltsvorstellungen vermeiden.
Darf ich im Bewerbungsgespräch noch nach meiner Gehaltsvorstellung gefragt werden?
Ja, die Frage nach der Gehaltsvorstellung bleibt grundsätzlich relevant. Der Unterschied ist, dass Unternehmen künftig transparenter machen sollen, in welchem Gehaltsrahmen sich die Stelle bewegt. Dadurch können Bewerber ihre Forderung besser einordnen.
Darf ein Unternehmen mich nach meinem aktuellen Gehalt fragen?
Genau hier bringt die EU-Richtlinie eine wichtige Veränderung: In Zukunft soll die Frage nach dem bisherigen Gehalt in vielen Fällen nicht mehr zulässig sein. Ziel ist, dass nicht alte Gehälter, sondern der tatsächliche Wert der Position die Grundlage für neue Angebote bildet.
Was ändert sich 2026 für Bewerber beim Thema Gehalt?
Bis Juni 2026 muss die EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Für Bewerber bedeutet das voraussichtlich mehr Transparenz im Recruiting, klarere Gehaltsspannen und bessere Voraussetzungen für faire Gehaltsverhandlungen.
Was bringt mir die EU-Entgelttransparenzrichtlinie konkret?
Sie kann dir helfen, deinen Marktwert realistischer einzuschätzen, Gehaltsgespräche besser vorzubereiten und Stellen schneller auszusortieren, wenn das Gehalt nicht zu deinen Erwartungen passt. Das spart Zeit und stärkt deine Verhandlungsposition.
Wie finde ich heraus, ob ich unterbezahlt bin?
Ein guter erster Schritt ist der Vergleich mit Gehaltsreports, Branchenwerten und ähnlichen Positionen. Zusätzlich können Gespräche mit Recruitern oder laufende Bewerbungsprozesse helfen, ein realistisches Bild vom eigenen Marktwert zu bekommen.
Was ist der Unterschied zwischen Entgelttransparenzgesetz und EU-Richtlinie?
Das deutsche Entgelttransparenzgesetz gibt es bereits seit 2017 und regelt unter anderem Auskunftsrechte zu vergleichbaren Gehältern in größeren Unternehmen. Die neue EU-Richtlinie geht deutlich weiter, vor allem mit Blick auf den Bewerbungsprozess und auf transparente Gehaltsstrukturen.
Gilt das Entgelttransparenzgesetz schon heute in Deutschland?
Ja, das deutsche Gesetz gilt bereits. Es wurde eingeführt, um mehr Transparenz zu schaffen und unter anderem ungleiche Bezahlung sichtbar zu machen. Viele Beschäftigte kennen ihre Rechte allerdings bis heute nicht oder nutzen sie nur selten.
Wer darf in Deutschland Auskunft über vergleichbare Gehälter verlangen?
Aktuell haben Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitenden unter bestimmten Voraussetzungen das Recht, Informationen über das durchschnittliche Gehalt vergleichbarer Positionen zu erhalten.
Werden Gehälter im Unternehmen jetzt für alle sichtbar?
Nein. Es geht nicht darum, einzelne Gehälter öffentlich zu machen. Im Fokus stehen Gehaltsspannen, nachvollziehbare Vergütungsstrukturen und bessere Informationsrechte für Beschäftigte.
Wird Gehaltstransparenz meine Gehaltsverhandlung einfacher machen?
Sehr wahrscheinlich ja. Wenn Unternehmen früher offenlegen müssen, in welchem Rahmen sich eine Stelle bewegt, wird die Verhandlung sachlicher, planbarer und fairer. Bewerber können sich dadurch besser vorbereiten.
Warum ist die Frage nach dem bisherigen Gehalt problematisch?
Weil ein niedriges früheres Gehalt oft dazu führt, dass auch das nächste Angebot zu niedrig ausfällt. So setzen sich einmal entstandene Nachteile über Jahre fort. Genau das soll durch die neuen Regelungen verhindert werden.
Wie kann ich meinen Marktwert vor dem Bewerbungsgespräch einschätzen?
Hilfreich sind aktuelle Gehaltsreports, Jobportale, Gespräche mit Personalberatern und ein Abgleich mit typischen Gehältern in deiner Branche, Region und Erfahrungsstufe. So kannst du eine realistische Gehaltsspanne formulieren.
Ist die EU-Richtlinie gut für Arbeitnehmer?
Für viele Arbeitnehmer ja, weil sie mehr Orientierung, mehr Vergleichbarkeit und bessere Chancen auf faire Bezahlung schaffen soll. Besonders bei Gehaltsverhandlungen und beim Wechsel des Arbeitgebers kann das ein großer Vorteil sein.

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